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Pressemitteilung

 


01. September 2017

Das unbekannte Weinparadies

Das Casa LeonIm Vergleich zu ihren französischen oder italienischen Kollegen fristen die Weinbauern auf Gran Canaria ein Schattendasein – selbst unter Weinkennern. Doch die Atlantikinsel ist am Aufholen.

 

Gran Canaria ist eine Insel der Gegensätze. Das fängt bei der Natur an. Ganze 14 verschiedene Mikroklimazonen mit einem feuchten Norden und einer trockenen Südseite machen aus der Atlantikinsel einen regelrechten Miniaturkontinent. Doch auch ihre Bewohner und Gäste könnten unterschiedlicher kaum sein. Bei vielen gilt die nach Teneriffa und Fuerteventura dritt-größte kanarische Insel zwar immer noch als deutsches Rentnerparadies mit prominenten Vorbildern wie dem Pianisten Justus Frantz, der am Monte Léon in einer Finca mit Obstgarten lebt. Doch auch Party- und Sporttouristen kommen auf ihre Kosten. Der Playa del Ingles mit FKK-Strand ist ein Hotspot der Schwulen- und Lesbenszene, der Strand in der Hauptstadt Las Palmas ein Surferparadies, und die Berge im Landesinneren sind sehr beliebt bei Radfahrern und Kletterern. Auch für seine Golfplätze ist Gran Canaria bekannt. Doch ein Aspekt der Insel findet immer noch kaum Beachtung: der Weinanbau.

 

Zu Unrecht, findet Iván Monreal Herrera. Der Sommelier gibt auf der Insel regelmäßig Wein- und Sherry-Tastings. Das Problem der kanarischen Weine im Besonderen und der spanischen im Allgemeinen liege nicht in der Qualität, sondern in der Vermarktung. "Einen 50 Jahre alten Sherry bekommen Sie für 30 Euro – das ist Wahnsinn." Herrera, ein gepflegter Mann mit Glatze, Brille und Polohemd, hat schon in mehreren Restaurants mit Michelin-Sternen gearbeitet, auch in Deutschland war er aktiv. Bei seinen Tastings legt er Wert darauf, den Teilnehmern auch die Herstellungsweise des Sherrys zu vermitteln.
Grundsätzlich ist Sherry Weißwein, der mit Branntwein aufgesprittet wird. Wie ein Sherry aber letztendlich schmeckt, hänge in großem Maße davon ab, ob er oxidativ oder biologisch ausgebaut wurde. Beim biologischen Verfahren bleibt der Grundwein auf 15 Volumenprozent Alkohol, wodurch sich eine Hefeschicht bildet, die den Sherry vor Sauerstoff schützt. Beim oxidativen Verfahren wird versucht, eben diesen Kontakt mit Sauerstoff zu erreichen. Der Grundwein wird auf 17 Volumenprozent aufgesprittet, es entsteht keine Hefe, der Sherry gelangt an die Luft und schmeckt kräftiger. Je nachdem, welche Rebsorten verwendet werden, schmeckt Sherry sehr unterschiedlich. Fino ist trocken, Pedro Ximènez und Moscatel sind süß, Oloroso würzignussig.
Dass Gran Canarias Weine im Vergleich zu den anderen Kanarischen Inseln weniger bekannt sind, liegt auch an der geringen Anbaufläche von etwa 500 Hektar. Zum Vergleich: Auf der größten Insel Teneriffa sind es knapp 2000. Trotzdem können Gran Canarias „Bodegas", also Weingüter, auf eine zum großen Teil lange Tradition zurückblicken. Das Weingut von Alberto Santana fällt da ein bisschen aus der Reihe. Sein Weingut gibt es seit 1998, es liegt inmitten des Kraters eines erloschenen Vulkans am Pico de las Nieves, dem höchsten Berg Gran Canarias. Alberto Santana führt regelmäßig Besucher durch sein Weingut. Der erloschene Vulkankrater sorgt für einen fruchtbaren Boden, der Bergkessel bietet eine natürliche Barriere. Das mache die Weinstöcke extrem widerstandsfähig. "Da könnte ich Benzin drüber schütten", sagt Santana und zeigt auf einen alten Moscatel-Stock, der besonders fruchtige Trauben bildet. Nur bei den jungen Weinstöcken müsse er mehr Hand anlegen. "Der da ist wie ein Teenager", erklärt Santana und deutet auf eine weitere Rebsorte.
Die Traubenlese findet bei Alberto Santana im August statt. Wegen der steilen Lage können die Weinbauern Gran Canarias kaum landwirtschaftliche Maschinen einsetzen, stattdessen bekommt Santana viel Hilfe von Familie und Freunden. "Wir ernten den ganzen Tag und kommen dann abends alle zu einem großen Fest zusammen. Das ist immer etwas ganz Besonderes."

Doch selbst auf dem ganzjährig milden Gran Canaria sind die Weinstöcke nicht ungefährdet durch klimatische Besonderheiten. 2016 sei es nach dem Winter viel zu früh warm geworden, und dann wieder kalt, erzählt Alberto Bordón. Viele Blüten seien erfroren. "Wir haben 40 Prozent weniger Wein produziert, die Bauern weiter nördlich sogar bis zu 90 Prozent."

 

Doch vor einem Schädling waren und sind die Kanaren gefeit: Während die Reblaus auf dem europäischen Festland wütete, ist sie auf den Atlantikinseln nie eingefallen. Dadurch können die Bordóns auch alte und einzigartige Weinsorten wie Malvasia anbauen. Und die lassen sie ihre Gäste auch gerne bei Schinken, Käse und Baguette verkosten. "Nach einem guten Weißwein fühlt man sich wie wiedergeboren", meint Alberto Santana.

 

Die spanische Insel Gran Canaria gehört neben Teneriffa und Fuerteventura zu den Kanaren.


ANREISEN
Direktflug ab München zum Beispiel mit Condor in fünf Stunden Flugzeit. Gran Canaria wird mehrmals wöchentlich von allen großen deutschen Flughäfen angeflogen.


ÜBERNACHTEN
Das Casa León ist ein stilvolles Boutiquehotel mit 25 Zimmern in idyllischer Lage im Landesinneren Gran Canarias am Monte León mit Blick auf die Dünen von Maspalomas, etwa 15 Minuten vom Strand entfernt. Ideal für Ruhesuchende. Die Übernachtungspreise beginnen bei 264 Euro für zwei Personen im Doppelzimmer mit Halbpension. Das Casa León bietet vergünstigte Tarife für fünf Golfplätze in der Umgebung. Das Hotel eignet sich ganzjährig als Ausgangspunkt für Nordic Walking, Wandern und Mountainbiking in den umliegenden Bergen. Die nahen Strände laden zu Wassersport oder Ausritten ein.


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